Moin!
Da stehe ich nun am Flughafen Frankfurt in einer Masse von verärgerten Lufthansa Passagieren und bin heil froh, dass ich direkt bei Aegean Airlines gebucht habe. Ein Platz am Notausgang der Maschine verschafft mir Beinfreiheit, die ich nach New York ganz gut gebrauchen kann.
In Athen angekommen wartet auch schon Christian auf mich mit dem ich bereits zusammen in Berlin war. Leider muss er aufgrund von Trainingsrückstand auch hier passen, was mir aber zu Gute kommt, da er mir nun am Streckenrand hilfreich zur Seite stehen kann.
Gleich in der Ankunftshalle ist ein Stand des Marathon Veranstalters bei dem man gegen Vorlage seiner Registrierung kostenlos eine Metrokarte mit der Gültigkeit von Donnerstag bis einschließlich Montag sowie eine Straßenkarte von Athen und Umgebung bekommt. Die Innenstadt kann man mit der Metro sehr gut erreichen. Wir haben aber einen Mietwagen gebucht, um das Sightseeing und die Abreise etwas flexibler angehen zu können.
Ein kurzes Telefonat mit unserem Airbnb Gastgeber und er empfängt uns direkt vor dem Hauseingang. Praktisch ist, dass Takis die Wohnung direkt nebenan hat und wir jederzeit klingeln können wenn wir etwas benötigen oder Fragen haben. Die Wohnung liegt 500m vom antiken Panathenaic Stadion entfernt in dem am Sonntag der Zieleinlauf ist. Somit können wir auch alles gut zu Fuß erreichen.

Samstag Vormittag fahren wir zur Messe um die Unterlagen zu holen. Die Messe ist laut Navi ca. 15 min entfernt und findet in der olympischen Tae Kwon Do und Handball Halle am Hafen statt. Wer in Athen mit dem Auto unterwegs ist, dazu noch an einem Samstag Mittag, der braucht gute Nerven und ab und an auch einen Schutzengel. Rote Ampeln sind hier eher als Empfehlung zu verstehen und die Rollerfahrer düsen eh kreuz und quer über alle Spuren und Gehwege. Nach knapp 45 min sind wir am Ziel und übergeben dem Einparkservice dankbar unser Auto.

Das Wetter ist grandios. Über 20° hat es und die Sonne scheint als wäre es Hochsommer. Laute Musik dröhnt aus den riesigen Boxen, die am Eingang aufgestellt sind und die Vorfreude auf morgen steigt. Die Messe ist auf zwei Etagen verteilt. Im unteren Bereich bekommt man sehr schnell seine Startunterlagen, muss dann aber durch die Messe um am anderen Ende ins 1.OG zur T-Shirt Ausgabe zu gelangen. Die Messestände nehmen den Platz des Handballspielfeldes ein und mir kommt es so vor als ob jeder zweite Stand Nahrungsmittel/-ergänzungen anbietet. Ich vermisse Gadgets, Innovationen, kleines Nützliches eben. Die Kunsthandwerk Stände empfinde ich jetzt nicht unbedingt nötig auf so einer Messe, aber zu Griechenland doch passend. Tipp: wenn bei der Shirt Ausgabe viel los ist und sich alles schon unten im Treppenhaus staut, kann man auch von oben gegen den Strom zur Ausgabestelle gelangen und muss somit nicht gedrängt im Treppenaufgang stehen.

Nach einer Portion Pasta (die jetzt nicht sehr üppig ist und für den Preis ich Abends in einem Restaurant das dreifache auf dem Teller hatte) geht es noch für eine Bimmelbahnfahrt nach Piräus. Hier wird man sofort mehrfach angequatscht, ob man nicht ein i phone oder i pad kaufen möchte was super billig ist, weil es vom Laster gefallen ist…usw. Ich kenne diesen Nepp aus einer Reportage und lehne jedes mal dankend mit den Worten „Need no i phone“ ab und gehe einfach weiter. Wir schlendern noch etwas durch den Hafen und fahren zum Abendessen wieder nach Athen.
Sonntag früh klingelt um 5:30 der Wecker. Frisch geduscht und nach einem Honig-Toast mache ich mich auf zur nächsten Metro Station von wo aus die Shuttlebusse Richtung Start fahren. 6:25 Uhr fahren wir los und 7:20 sind wir in Marathon. Fast eine Stunde Fahrt auf einer vierspurigen Bundesstraße (zwei in jede Richtung). Da wird einem erst einmal bewusst was in den kommenden Stunden vor einem liegt. Neben mir im Bus sitzt Dimitri. Er ist 51 Jahre und läuft den Athen Marathon bereits zum 6. Mal. Dankbar höre ich mir seine Tipps zur Strecke an wo man es laufen lassen kann und wo man besser etwas Tempo raus nimmt um sich ein paar Körner für den Schluss zu sparen. Dies sei sehr wichtig, da viele sich bei der langen Steigung von mehr als 20 km überschätzen und ihnen dann zu früh die Luft ausgeht. Dimitris Bestzeit auf dieser Strecke ist eine 03:17, dieses mal peilt er aber „nur“ eine 3:30 an. Ich wäre froh, das mal auf einer flachen Strecke laufen zu können. Die Strecke ist für mitgereiste Zuschauer ebenfalls nicht optimal. Zum einen weil Start und Ziel 40km auseinander liegen, zum anderen weil die Bundesstraße als „Hauptschlagader“ ab 8 Uhr gesperrt wird. Somit ist ein Pendeln an der Strecke nur sehr schwer möglich und mit der Metro kann man frühestens zu km 28 kommen. Genau dort, sowie an km 35 habe ich auch mit Christian ausgemacht, dass er mir eine Flasche Maltodextrin mit Salz angereichert und ein Liquid-Gel reicht.

Im Startbereich angekommen stellen sich die angekündigten Warmhalte-Capes als durchsichtige Müllbeutel heraus. Egal, die Temperaturen klettern sogar jetzt schon über 16° und es soll noch wärmer werden. Also oben, rechts und links einreißen um etwas vor dem Wind geschützt zu sein, der zum Glück in unsere Karten spielt und etwas Rückenwind verspricht. Einzig etwas Verpflegung vermisse ich im Startbereich. Außer Wasser gibt es hier nichts und etwas Hunger hätte ich schon. So wird es dann halt die erste Banane an der Strecke die mir in die Finger kommt. Die Musik ist das erste mal angenehm von der Lautstärke her und es dröhnt nicht wie sonst auf einem Heavy Metal Konzert im Startbereich.

Jetzt heißt es die Zeit bis zum Start zu überbrücken. Ein kleiner Spaziergang hoch zu einer kleinen Kapelle von wo aus man einen tollen Blick über das Gelände hat und das Anstehen um ein Foto beim olympischen Feuer zu machen lassen die Zeit schnell verfliegen und schon Reihe ich mich in Block 5 ein.
Der Start erfolgt flüssig und man hat nach ein paar Metern auch schon genügend Platz zum freien Laufen. Ich komme gut in den Lauf rein, habe aber die Worte von Dimitri im Kopf und zügel deshalb mein Tempo etwas nicht zuletzt aufgrund der vergangenen 4 Marathons die mir schon in den Beinen stecken. Die ersten 10 km in 53:34 vergehen wie im Flug, doch dann beginnt der Anstieg spürbar steiler zu werden. Die Halbmarathon Marke passiere ich noch bei 01:57:33, doch dann wird es ganz schön schwer. Es ist heiß und ich nehme an jeder Verpflegungsstelle, die es alle 2,5 km gibt eine Flasche Wasser für unterwegs mit um mir Abkühlung zu verschaffen. Meinen Beinen geht es gut, doch der Puls ist schon etwas hoch. Ich kann mein Pace um gut unter 4 Stunden ins Ziel zu kommen nicht mehr halten und bin froh endlich bei km 28 Christian am Rand zu entdecken der mir mein Getränk reicht. Das war jetzt noch mal ein Schub, den ich benötigt habe und das große rechnen geht los. Bei Km 30 stehen 02:53:05 auf der Uhr und bei einem weiteren Schnitt von 5:30 sollte es gerade so reichen. Ich weiß, dass es bald wieder flach wird und dann will ich sehen ob ich noch mal aufdrehen kann oder das Ding in Ruhe zu Ende laufen darf. Doch bis dahin verliere ich erst noch mal Zeit aufgrund der immer noch anhaltenden Steigung. Endlich, ab km 32 geht es bergab und es wird flach. Ich kann das Tempo wieder etwas steigern und bin andauernd am Rechnen. Doch bei km 35 lässt der Blick auf die Uhr nichts Gutes verheißen. Ich bin deutlich hinter Pace und müsste jetzt die letzten 7,2 km im Schnitt schneller laufen als ich es bisher je in dem Rennen tat. Ganz kurz kommt mir der Gedanke in den Sinn: „Schade, vorbei. Das wird nichts mehr“.

Doch ich wäre nicht bis hier her gekommen wenn ich immer gleich die Flinte ins Korn werfen würde.
Also lasse ich es drauf ankommen. Was hab ich denn zu verlieren? Richtig, nichts!
Do or do not! There is no try! Hat vor 35 Jahren schon ein kleiner, grüner Jedi Meister gesagt ;-).
Los gehts! Ein high five mit Chistian, ich trinke die letzte Tube Liquid und renne dann wie der Teufel. Alle paar Sekunden der Blick zur Uhr um alle 250 m die neue Zwischenzeit zu bekommen. Läuft ! Km 37 frage ich mich noch mal warum ich mich jetzt eigentlich so quäle, aber ich weiß, dass ich den Lohn dafür erst im Ziel verspüren werde. Km 40 und 03:58:53 auf der Uhr. Das bedeutet, dass mir sogar ein 5er Schnitt auf den letzten Kilometern jetzt auch nicht mehr reicht. Schade :-(.
Ach ne, do or do not ! Ich hab mich ja für ersteres entschieden! Also heißt es noch mal Zähne zusammen beißen, alle letzten Kräfte nach 6 Wochen und nun fast 5 Marathons mobilisieren und einfach laufen, laufen, laufen. Auf die Uhr schaue ich jetzt gar nicht mehr. Ich bin jetzt stark fokussiert auf die Strecke und auf die Lücken, die sich auftun, um an den anderen Läufern vorbei ziehen zu können. Meine Beine fühlen sich auf einmal federleicht an und ich bekomme noch mal einen Energieschub durch die Massen an Zuschauern, die einen riesen Lärm machen. Endlich, am Ende der Straße, erblicke ich die Ecke des Stadions. Das Ziel ist nicht mehr weit. Ein Blick auf die Uhr und ich sehe, dass MUSS ausreichen. Ich spüre diese fast magische Stimmung als ich in das Stadion einbiege und laufe die letzten 100m mit ausgestreckten Armen wie ein Flieger in Schlangenlinien der Ziellinie entgegen.

Geschafft!
Die Uhr bleibt bei 03:48:08 stehen was bedeutet, dass ich auf den letzten 2,195 km noch mal einen 4:40er Schnitt raus gehauen habe.
Wahnsinn was der Körper alles noch vermag zu leisten wenn es der Kopf denn will!

Es ist wirklich schwer einen Lauf direkt nach dem New York Marathon zu beschreiben, weil man diesen mit nichts vergleichen kann, aber für mich persönlich war dieser Athen Marathon einer meiner Besten Läufe. Nicht der Zeit wegen, nicht der Zuschauer und der Stimmung wegen, sondern weil ich viel über mich selbst gelernt habe. Ich habe gelernt auf Zeichen die mein Körper mir gibt zu reagieren und gelernt wie ich meinen Körper beeinflussen kann. Dieses direkte Feedback und der Kampf der sich dann zum Schluss gelohnt hat sind Erfahrungen die ich nicht mehr missen möchte. Ich denke, dass dieser Lauf mir viel für die Zukunft bringt. Es wird immer wieder Höhen und Tiefen geben, aber letztendlich bist es nur du selbst der es vermag sich aus den Tälern wieder heraus zu arbeiten und die guten Zeiten in den Höhen in vollen Zügen zu genießen. Aber manchmal sind es die kleinen Dinge wie ein „high five“ bei km 35 die einen zu solchen Leistungen beflügeln.
„Do or do not ! There is no try !“
ist zwar ein mächtiger Slogan, aber manchmal muss man die Dinge auch getreu dem Motto :
„Schau mer mal“ angehen und sehen was der Weg so bringt ;-).

Keep on running !

Euer Marathon-Manu

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