Hier in Berlin lief letztes Jahr der Kenianer Dennis Kipruto Kimetto den immer noch aktuellen Weltrekord in 02:02:57. Samstag morgen 7:30 Uhr. Der letzte Lauf bevor es mit der „5 in 6 Challenge“ los geht.
Ich schnüre meine Laufschuhe und denke mir : „Was habe ich mir da wieder für einen Quatsch ausgedacht? Naja, immerhin bin ich bisher in meinem Leben schon zwei ganze Marathons gelaufen ;-).“
90 Minuten später sitze ich schon im Zug Richtung Berlin.

15:30 Uhr. Die Marathon Messe ist groß, sehr groß. Die Parkmöglichkeiten mit dem PKW sind begrenzt und die Autos stehen dicht an dicht. Hier empfiehlt es sich wirklich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.
Drinnen im Flughafen Tempelhof ist massig Platz. Auch die Aufteilung von hauptsächlich Food Court  sowie Kinderbespaßung im überdachten Außenbereich und Aussteller im Inneren finde ich gut gelöst. Die Startnummernausgabe ist wie üblich ganz am anderen Ende. Diese ist gut organisiert und es geht schnell voran. Viele Stände nach Startnummer-Blöcken aufgeteilt und keine 3 Minuten später habe ich alle benötigten Unterlagen.
Jetzt heißt es noch etwas über die Messe schlendern und mit ein paar Leuten unterhalten. Carbo-Loading (folgt :)) und ab ins Bett.

Sonntag morgen 8:00 Uhr treffe ich mich mit ein paar Freunden vor dem Reichstag. Der Startbereich ist günstig gelegen und sehr gut zu Fuß vom Hauptbahnhof zu erreichen. Die Kleiderbeutel-Abgabe geht dank der vielen Stände auch sehr zügig. Die Schlangen vor den Dixi Klos sind undenkbar lang doch je weiter man sich dem Startbereich nähert desto weniger wird die Schlange. Nachdem das Elitefeld um 9 Uhr gestartet ist sind sogar mehrere Dixis frei. Also als Tipp: kurz nach dem Startschuss noch mal aufs Klo 😉 Die Stimmung im Startblock ist super. Der Moderator animiert zu feiern und man bekommt richtig Laune endlich zu starten.

Die Sonne scheint und um 9:23 Uhr geht es für mich dann auch endlich auf die Strecke. Es ist voll. Gut, so ist das am Anfang immer denke ich mir und lasse mich erst mal treiben. Die ersten 5 km halte ich mich noch etwas zurück bis ich davon überzeugt bin, dass ich mich heute wirklich gut fühle. 5:20er Pace bisher. Der Platzmangel wird nur geringfügig besser, dennoch kann ich jetzt ganz gut mein eigenes Tempo laufen.  Die nächsten 20 km steigere ich das Tempo deutlich und passiere die Halbmarathonmarke in 01:47:46. Ab km 25 wird mein Tempo wieder langsamer. Klar spüre ich jetzt meine Beine, aber was mir vor allem zu schaffen macht ist, dass meine GPS Uhr ausgefallen ist.

Ich laufe gaaanz ungern ohne Uhr. Ich fühle mich sogar fast unwohl wenn ich ohne meine Uhr einen Lauf starte und hiermit meine ich selbst den 4km Regenerationslauf. Ich laufe so schlecht nach Gefühl und brauche ständig ein Feedback, dass ich meine Rundenzeit auf 250m eingestellt habe. Jaaaa, auch bei einem Marathon :p. Das macht mich ganz kirre und jetzt leuchtet im Display auch noch die Frage auf „ Befinden sie sich in einem geschlossenen Raum?“ …ja, geschlossene Anstalt vielleicht bald wenn du Drecksding nicht bald wieder einen Satelliten findest.

Naja, hilft ja nix. Die Stoppuhr läuft ja noch und jeder Kilometer ist mit weißen Schildern ausgezeichnet. Ich habe jetzt keinen Kopf dafür mich mit der Neukalibrierung der Uhr zu beschäftigen. Ich beruhige mich wieder dadurch, dass ich beginne die Schritte zu zählen, um daran in etwa mein Pace ausmachen zu können was mir nach dem ersten Kilometer aber zu blöd wird. Ich habe ja noch ein paar Km vor mir und bisher läuft es ganz gut. Ab Km 30 werde ich dann entspannter. Wenn jetzt nichts total schief läuft reicht mir sogar ein 7er Pace für den Rest der Strecke, um auch noch meine Bestzeit zu knacken. Ab da sauge ich alles auf. Es wird härter, ich werde langsamer, aber ich habe so viel Spaß und Freude, dass es einfach nur toll ist. Die Zuschauer tragen einen über die letzten Kilometer. Die letzte Kurve und da ist das Brandenburger Tor zu sehen. Dort ist das Ziel denke ich und ich gebe noch mal Gas. Ich peile den Fotografen an der genau links vom mittleren Torbogen sitzt und als er freie Sicht auf mich hat setze ich vor lauter Glücksgefühlen zum finalen Sprung im Super Mario Style an um ein geniales Finisher Bild zu bekommen….blöder Fehler !

Direkt in der Luft krampft das linke Bein! Die Wade, das Schienbein, der Fuß….ahhh alles krampft.
Ich falle auf den Boden und schreie. Nach einer gefühlten Ewigkeit – es müssen inzwischen so 3-4 Sekunden vergangen sein – kommt mir ein Läufer zu Hilfe der mein Bein aufdehnt und mich mehrmals auf englisch fragt: „Are you OK?“ Ne, ne, ne denke ich mir und bin sooo froh, dass er da ist. Ich sehe nur noch diese Matte hinter dem Brandenburger Tor und sage zu ihm: „Bring me to the finish line!“

„Ok, come with me“ , antwortet er und zieht mich hoch. Wie in so einem Vietnam Kriegsfilm komme ich mir vor als er mich stützt und ich auf einem Bein durchs Brandenburger Tor hüpfe. Endlich über die Matte J – doch was ist das? Die laufen ja alle noch weiter ? Zu früh gefreut. Das war noch gar nicht das Ziel ! Das ist eine Kabelmatte !

Ich beginne langsam wieder aufzutreten und nach ein paar Metern kann ich wieder selbständig mehr schlecht als recht laufen. Mein Retter in der Not vergewissert sich noch mal ob ich ok bin und verabschiedet mich mit einem „See you at the finish line“. Zwei Minuten später höre ich das Piepsen der Mika Timing Chips und weiß dank dem Schriftzug „Ziel“: Jetzt habe ich es wirklich geschafft!

03:42:40 – wow, um mehr als 16 Minuten meine bisherige Bestzeit pulverisiert. Damit hätte ich nicht gerechnet.
Doch die Freude hält nicht lange. Meine Wade schmerzt und ich habe Angst mir gerade das ganze Vorhaben mit diesem dummen Sprung zunichte gemacht zu haben. Hätte man sich ja auch denken können, dass nach über 40 km so eine schnelle Bewegung nicht gut tut. Hätte – aber hab ich nicht.

Wie es weiter geht, ob ich gut regeneriere oder überhaupt in Köln starten kann werden die kommenden Tage zeigen.

Keep on running! 😉

Euer Marathon-Manu

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