Der Berlin Marathon 2013 ist nun knapp 24h her, ich sitze vor dem Blogbeitrag und was soll ich schreiben? In mir kämpft ein Schweinehund. Nicht der, der mich anfangs gerne mal vom Laufen abhalten wollte, sondern der, der einerseits gerne wolfsmäßig herumheulen würde über Schmerzen, Zielzeiten und andere ungeplante Tatsachen und der andererseits eine Veranstaltung erlebt hat, die so einzigartig und überwältigend ist, dass jegliches Meckern verboten sein müßte.

Eines sei vorweg genommen: Dieser Beitrag könnte länger werden, soll er doch die ganze Geschichte des Wochenendes erzählen. Und nun der Reihe nach.

 

anfahrtFreitag 27.09.
„Die Anreise: Gute Laune und… gute Laune“

Nachdem ich 11 Monate gut und verletzungsfrei durch mein Training gekommen bin, hat es mich vor 2 Wochen erwischt. Mehr dazu im letzten Beitrag dieses Blogs. Dementsprechend war auch meine Stimmung auf einem Tiefstand. Aber wie es dann gerne mal so ist, packt man seine Sachen, blendet die Arbeit aus, steigt in’s Auto und gleich das erste Lied im Radio hämmert einem ein Lächeln in’s Gesicht. Ungewollt und ohne dass man sich dagegen wehren kann. Ein strahlend blauer Himmel und die Sonne im Gesicht runden die ganze Sache ab. Machen wir es kurz: Hamburg -> Berlin in 5 Stunden. Nein, ich fahre keinen Trecker, sondern habe 2h Sightseeing der Berliner Baustellen gemacht. Trozdem „glücklich und gut gelaunt“ im Hotel angekommen.

Berlin Marathon 2013Nach einem kurzen Check-In stand um 16.30h dann auch schon das Wiedersehen der Marathon Novizen an. Herrlich, nach einem langen rein virtuellen Austausch über Facebook endlich mal wieder zusammenzusitzen. Da wir nicht zum Vergnügen nach Berlin gekommen sind, ging es auch gleich mit unseren Coaches Susi und Robert auf die Strasse. Toll, endlich mal Laufen – hatten wir ja lange nicht:) Die Runde war sehr entspannt und führte uns auch direkt am Startgelände vorbei, der Vorbereitungszone und unserem Treffpunkt für Sonntag. Leider war ich ab diesem Zeitpunkt wieder auf meinen rechten Fuss fixiert, der nach 1.5 Wochen Pause erneut anfing, zu zwacken.

Ein tolles Abendessen beim Italiener rundete den ersten Tag ab und führte zu folgenden Erkenntnissen:

  • Alle Novizen waren in super sportlicher Verfassung – toll, wie alle ihr Feuer für’s Laufen entfachen konnten
  • Es stehen zwei aufregende und anstrengende Tage bevor
  • Lachs sollte man als Hamburger einfach auch nur in Hamburg essen
  • …und ich habe keine Ahnung, wie ich nach dem Marathon noch Auto fahren soll

 

Berlin Vital 2013Samstag 28.09.
„Die Messe: Der nächste bitte…“

Ok, um ehrlich zu sein: Letztes Jahr war es noch viel schlimmer. Da ich damals aber nur Beobachter gewesen bin und dieses Jahr in die Aktiven-Rolle gewechselt habe, hat mir selbst das gereicht. Nach einem U-Bahn hin und her sind wir pünktlich um 13h auf dem Messegelände angekommen, um uns in den folgenden 2h mit Fragen auseinanderzusetzen wie: Was wollen die alle hier? Warum können wir nicht einfach nur shoppen gehen? Wollen die alle morgen wirklich laufen? Und zu guter letzt: Wenn ich dem Idioten, der sich gerade vordrängelt, nachdem er sich über den adidas Stand gemogelt hat, jetzt einfach eine verpasse: Darf ich dann morgen trotzdem laufen, bevor ich in den Knast komme? Ehrlich Leute: Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor, die sich an der seit Stunden anstehenden Schlange vorbeimogeln, vorne zwischendrängeln und auf nette Hinweise auf die Unfairness dieses Verhaltens dann mit „Don’t understand“ antworten und schäbig grinsen? Sozialverhalten wird anscheinend nicht überall vermittelt. Wo ist Batman, wenn man ihn braucht?

ErdingerGut, irgendwann waren wir alle angemeldet, mit unserem Beutel ausgestattet und machten uns auf dem Weg zu einem versönlichen Ausklang des Messebesuches. Im Klartext: Bei Erdinger die Chillout Zone besetzt, Flüssignahrung in isotonischer Form zu uns genommen und anschließend zur Wobenzym Messeparty gegangen. Dort gab es dann nette Häppchen, entspannte Musik und der Messebesuch fand ein versönliches Ende.

Am Abend gab es dann Pasta satt im Hotel und noch viele nervöse letzte Checks der einzelnen Novizen, denen einige Fragen auf der Seele brannten wie: Was esse ich am besten zum Frühstück? Wann vor allem? Welche Klamotten nehme ich zum Warmhalten mit? Kann ich noch aussteigen und doch lieber am Erdinger Stand arbeiten? Warum mache ich das überhaupt?“ Zugegeben, die letzten zwei Fragen, waren meine Fragen, die es nicht bis zu meinem Mund geschafft haben, sondern im internen Dialog verharrten…

 

Wobenzym Marathon NovizenSonntag 29.09.
„Der Marathon: Ohne Worte…“

Der Wecker klingelte um 6h. Davor haben einige Streber unter uns GA2-Intervall Schlafen betrieben, andere einen Dauerschlaf bei normalem Tempo – was ich sagen will: Vor so einem Tag ist man aufgeregt, aber das Adrenalin pusht einen am Morgen auch zu so einer ungöttlichen Zeit aus dem Bett. Ich fühlte mich, wie der Duracell Hase, nur ohne rosa Kostüm und Trommel. Der große Tag steht bevor, die Marathon Novizen waren eine bunte Mischung aus: Ruhe, Aufregung, Freude, Nervosität und Anspannung. Zu einem Photo hat es aber noch gereicht!

Tja, und dann ging auch alles recht schnell. Wir machten uns auf den Weg zum Startgelände, wärmten uns auf, hielten uns warm (nicht wir uns gegenseitig, sondern die Tüten uns), bis schließendlich der große Moment für unser Trainerteam kam: Uns gehen zu lassen – loszulassen! Die Kleinen sind erwachsen geworden und werden nun ihren eigenen Weg gehen, ihr eigenes Rennen machen. Ab hier waren wir nun auf uns alleine gestellt… *schnief*

Berlin Marathon Start 2013Und nun zum Rennen: Ich kann gar nicht viel dazu schreiben. Leute, ehrlich: Von Anfang bis Ende war es ein grandioses Erlebnis mit so vielen tollen Impressionen und Momenten. Der Start war Gänsehaut pur, das Publikum am Strassenrand war unglaublich. Diese Menschenmassen, die als Zuschauer so viel Spaß hatten und selbst nach 4 Stunden noch die Massen angefeuert haben – überwältigend. Ich erinnere mich an die vielen Kinder, die zum Abklatschen ihre Hände raus hielten, die unzähligen Bands und ihre Live-Mucke, die vielen jungen hübschen Mädchen, die alle meinen Namen kannten und euphorisch riefen:) Woher genau kennen die meinen Namen? Man weiß es nicht, es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben;) Unvergesslich sind auch die 500m klebender Boden nach dem Powerade Stand; die brav anstehenden Frauen an den Dixies, während die Männer wie die Hunde jeden Baum in Beschlag hatten; die KM Schilder, die zum Ende hin immer langsamer kamen. …und selbstverständlich alle Helferinnen und Helfer, die Feuerwehr und Polizei, die Rettungskräfte und viele viele mehr, die für die nötige Sicherheit und das leibliche Wohl gesorgt haben. Jeder einzelne Läufer ist euch dankbar, dass ihr allen ein so tolles Event ermöglicht!

Berlin Marathon 2013 MedailleAls ehrgeiziger Mensch hätte ich im Normalfall jetzt auch noch absätzeweise einiges zu meiner wiederkehrenden Verletzung schreiben wollen, die mich ab KM20 heftigst geplagt hat und meinen geplanten Rennverlauf über den Haufen geworfen hat, aber: Ich lasse es einfach. Unter 4 Stunden in’s Ziel gekommen und Platz 15xxx ist doch für den Anfang ok, höhere Ziele hebe ich mir dann für’s nächste Mal auf. Denn so ein Event muss mit den positiven Momenten stehen bleiben – herumheulen kann ich auch zu Hause – Freunde, Arbeitskollegen, viel Spaß in den kommenden Tagen..

Der Stolz überwiegt, Schmerzen werden weggehen, die Erninnerung bleibt. Und die gute Nachricht ist, dass alle Novizen mit sensationellen Zeiten und in guter Verfassung in’s Ziel gekommen sind.

Marathon Novizen 2013Nachdem wir dann noch 2h im Hotel mit Duschen, Beine hochlegen und Renn-Geschichten austauschen zugebracht haben, gab es das obligatorische Abschlussphoto und die Erkenntnis, dass das nicht der letzte Lauf unserer Karriere gewesen ist! Im Namen aller Novizen bedanke ich mich bei unseren Coaches Susi und Robert! Danke für ein tolles Vorbereitungsseminar in Regensburg, die vielen tollen individuellen Trainingspläne, das Zuhören, wenn es mal nicht so lief, die Antworten auf die vielen Fragen und einfach dafür, dass ihr uns diesen unvergesslichen Tag beschert habt. Mit Spaß, Schweiss und Disziplin habt ihr aus uns waschechte Marathoni gemacht!!! Und selbstverständlich auch ein riesen Danke an den Sponsor Wobenzym, der dieses Programm ermöglicht hat und tolle Rahmenbedingungen vor Ort geschaffen hat!!

Was bleibt ist die ganz persönliche Frage, ob und wenn ja wie es mit mir und meinem Laufsport weitergeht. Leute, ganz ehrlich: Ich werde jetzt erstmal eine Woche die Beine hoch legen, versuchen, wieder normal laufen zu können und dann plane und entscheide ich. So lange werde ich jetzt jedem und ich meine auch JEDEM auf die Nase binden, dass ich den Berlin Marathon gelaufen bin!!!