In meiner noch jungen Läufer-Karriere sollte es mein erster Halb-Marathon werden: Der Heldenlauf in Blankenese. Die gute Nachricht: Ich habe eine aus meiner Sicht gute Zeit hingelegt. Die schlechte Nachricht: In Hamburg kann man mehr Höhenmeter absolvieren als so mancher denkt! Und somit ist der Name Programm: Heldenlauf.

Aber fangen wir von vorne an: Ab Freitag konnte man seine Startunterlagen abholen. Als Kenner des Stadtteils und aufgrund meiner übermäßigen Sportlichkeit habe ich etwas weiter weg geparkt und mich auf einen schönen Fußmarsch gemacht. Am Anmeldezelt angekommen ging auch alles recht schnell: Unterlagen erhalten, T-Shirt am Stand nebenan abgeholt, die netten kleinen Geschenke der Werbepartner gecheckt und zurück zum Auto getrabt. …um dort dann festzustellen, dass meine Socken fehlten. Aber naja, das ist ja nicht weiter schlimm.

…oder doch? Wer mich kennt weiß, dass mir sowas keine Ruhe lässt. Samstag, strömender Regen, ich mache mich wieder auf den Weg nach Blankenese, um dort meine Socken abzuholen. Toll: Ca. 4€ nicht verschenkt, komplett nass geworden, 2h unterwegs gewesen und bei dem Wetter ging meine Laune weiter in den Keller.

Sonntag und ich trinke Tee in ’nem Cafe
und als ich dieses schöne Mädchen dort am Tresen stehen seh…

Ach nee, das war was anderes und glich keineswegs meiner Situation. Ich fange von vorne an:
Sonntag und ich latsche müde hin zum Start,
die Laune die ist mies, meine Oberschenkel hart.
Die Musik läuft im Takt und die Stimmung putscht mich auf,
Vielleicht macht er doch noch Spaß – der 2013er Heldenlauf.

Um es zusammenzufassen: Ich habe vorher auf Facebook dazu aufgerufen, meine Zielzeit zu schätzen. Was dort für Zeiten genannt wurden, ist fast schon demotivierend. Ich steh am Anfang meiner Laufkarriere, habe erst einen(!) 10km Lauf hinter mir und sehe mich mit 1:30:00h Zeiten für einen Halb-Marathon konfrontiert. Und dann auch noch ausgerechnet bei diesem Event, wo es zwei Passagen mit gefühlten 100 Treppenstufen und vielen weiteren Steigungen an der Küste gibt. Aber ich habe es einfach als Motivation genommen – und als Learning für mich, nicht mehr nachzufragen 🙂

Kommen wir aber endlich zum Lauf: Mit steifem Nacken, Oberschenkel Zwicken aber zunehmend besserer Laune ging es los. Über die Lautsprecher wurde der Beat von einem Countdown unterbrochen und ein Hamburger Nebelhorn ließ die Menge entlang der Elbe schließlich starten. Das war toll – Gänsehaut pur. Nach der Elbe ging es tolle große und kleine Straßen entlang durch Blankenese. Es gab Wasser, tolle Häuser, wunderschöne Gärten, Parks – das Auge läuft mit. Meine schlechte Laune entwich mehr und mehr und ich nutzte von Anfang an jede breite Strasse, jede kleine Gasse, um auf den ersten 8km gefühlte 500 Leute motiviert und spritzig zu überholen. Es war toll!

Überholen macht Spaß – muss ich immer wieder feststellen. Zur absoluten Verwunderung aller Teilnehmer schien nahezu konstant auch noch die Sonne. Und das trotz sintflutartiger Regenströme am Morgen. Das Läuferleben kann so gut zu einem sein. Bis… Ja, bis ich bei toller bisheriger Pace von ca. 4:40min/km bei KM12 (so ungefähr) vor den Stufen zum Himmel stand. Da waren Treppenstufen… Mehr Treppenstufen, als irgendjemand gebrauchen kann. Ein Treppenaufgang, den die Ägypter vor hunderten von Jahren erbaut haben mussten, als sie merkten, dass die Pyramiden noch nicht hoch genug geworden sind. Es war… grausam!

Und da kam dieser Moment. Der Moment, wo man sich entscheidet, Mann oder Maus zu sein. Läufer oder Walker. Und ich bin verdammt nochmal ein Läufer und habe diese Treppen hoch zu laufen. Nein besser noch: Den Trampelpfad direkt neben den Stufen! Und es bleibt festzuhalten: Läufer haben manchmal einen Schatten. Und zweitens: Manche Entscheidungen bereut man… …erst später! Ich gebe zu: Nachdem ich nach einigen Minuten endlich den Gipfel erreicht habe, meldeten sich die Oberschenkel und wiesen mich darauf hin, dass das geistige Ego auch auf seine Buddies „Muskeln“ angewiesen ist und irgendwie eine Harmonie herrschen sollte. Aber da es dann direkt einige Zeit bergab ging und auch wieder eine Wasserstation kam, stellte sich langsam eine Regeneration ein.

Und als ich gerade so dachte <<Man muss solche Hürden einfach meistern>>, dachte sich die Hürde <<Gerne, hier nimm noch eine!>> Und wie bei „Täglich grüßt das Murmeltier“ war da schon wieder so ein Treppenaufgang. Ich gebe zu, an der Stelle bin ich mental und körperlich zerbrochen, zumindest so halb. Ich habe diesen Aufgang noch laufenderweise angefangen und bin die letzten Stufen dann gegangen. Es ging nicht anders, meine Reserven waren am Ende. Nach einer halben Minute Treppen gehen, habe ich mich dann die letzten 5 km in’s Ziel gerettet. Und auf diesen letzten Kilometern habe ich erstmalig auch gemerkt, was einen fighten läßt – das Publikum. Denn hier war die Dichte der Zuschauer endlich etwas höher und viele süße kleine Kids feuerten uns alle an, hielten die Hände zum Abklatschen auf die Strecke – und das ist es doch! So wird aus einem derartigen Lauf doch wieder eine Runde Sache!

Kaputt und gleichermaßen glücklich lief ich endlich in’s Ziel. Für alle Statisten ist festgehalten, dass ich mit einer 1:44:10 den Halb-Marathon beendet habe, Platz 201 der Männer (von ~1.200) belegt habe und 48. in meiner AK wurde. Nicht überragend, aber eines ist gewiss: Nächstes Jahr weiß ich, was bei diesem Lauf auch mich zukommt und ich werde noch besser!

…und ebenfalls festzuhalten gilt: Der Countdown für den Berlin Marathon läuft und das war meine Generalprobe. Generalproben müssen einfach schief gehen, damit die Premerie besser wird! – zack aus, keinen Widerspruch bitte…