Dieses mal war die An- und Abreise etwas entspannter. Obwohl meine Frau und ich für die 250 Km Strecke dank Stau 4 1/2 Stunden gebraucht haben war es toll schon Freitag Abend vor Ort zu sein. Die Unterkunft war super, da mein Freund Sascha über das Wochenende in die Heimat gefahren ist und uns großzügigerweise die Schlüssel für seine Wohnung in Ehrenfeld überlassen hat. Der Samstag war voll gepackt mit Terminen – positiver Stress soll ja gut sein ;-). Frühstücken mit Freunden aus Bonn, ein Besuch der Star Wars Identitys mit 3 Freunden aus Ladenburg, Käffchen trinken und dann zum Abendessen mit den lieben Leuten vom Tiger Balm Team. Angekommen in der Wohnung werden noch akribisch alle Sachen für den Lauf vorbereitet. Ich entscheide mich noch die Laufschuhe zu wechseln um die Waden etwas zu entlasten und um 0 Uhr geht es dann auch endlich ins Bett.

Den Besuch auf der Marathon Messe habe ich da noch irgendwo reinquetschen müssen. Mit 14 Uhr am Samstag habe ich wohl noch gerade so einen guten Zeitpunkt erwischt. Das Treppenhaus ist voll, es strömen immer mehr Besucher in die Location und in den Gängen der Messe sieht es ähnlich aus. Ich laufe schnell an allen Ständen vorbei ans andere Ende der Messe wo ich ca 5-10 Minuten in der Schlange stehe bis ich meine Unterlagen habe. Einmal noch kurz beim Wobenzym Stand hallo gesagt, ein alkoholfreies Reissdorf Kölsch probiert und wieder raus in die Sonne J. Beim Abendessen erfahre ich, dass sie die Messe später sogar wegen Überfüllung haben schließen müssen und die Schlange bis ans andere Ende der Messe ging. Da verhält es sich aber wohl immer gleich. Samstag Nachmittag ist eben nicht der Beste Zeitpunkt um sich die Unterlagen zu holen. Je früher desto besser.

Der große Tag!

Der Wecker klingelt um 7:27 und mir geht sofort durch den Kopf: Schaffe ich das heute? Sind meine Beine wieder fit oder mute ich mir da zu viel zu? Ist heute schon Endstation, wegen der blöden Aktion am Brandenburger Tor letzten Sonntag? „Ach, wird schon!“ sage ich laut vor mich hin. Dusche, kleines Frühstück und los geht’s zur Straßenbahn Richtung Messe/ Deutz. In der Bahn treffe ich Britta die sich nach 6 Jahren Pause nun an ihren zweiten Marathon wagt. Es tut mir gut die Nervosität weg zu reden und ich glaube sie hat sich auch gefreut vor dem Start etwas Gesellschaft zu haben. Der Halbmarathon ist vor 5 Minuten gestartet und überall liegen noch die Klamotten rum.
Ich treffe Mel und Bettina mit denen ich letztes Jahr in New York gelaufen bin. Mel die verrückte Nudel ist mal wieder als Marienkäfer unterwegs und wird auch prompt vom Radio Köln interviewt. Bettina macht den Köln Marathon als warm up für den Chicago Marathon nächste Woche.

Ich muss lachen und daran denken wie Mel mir gestern beim Abendessen erzählt hat, dass sie nächstes Jahr den Bambini Lauf bei der Tortour de Ruhr macht …der Bambini Lauf sind bei diesem Ultra Event die 100 Km! – Verrückte Nudel eben 😉 Memo an mich: Ich bin hier nicht der einzige Bekloppte, ich bin in guter Gesellschaft J
Es ist generell eine gute Stimmung und viel mehr Lachen in den Gesichtern als noch eine Woche zuvor in Berlin. Die Kleiderabgabe geht schnell und unkompliziert. Es ist alles etwas lockerer als in Berlin und in den Startblöcken hat man genug Platz für das gemeinsames warm up der 6000 Läufer.

Der Startschuss!

Es geht los! Mein Plan: ich lasse die 4:00 Pacemaker vor mir die Startlinie überqueren, überhole sie dann und schaue, dass ich vor ihnen ins Ziel laufe. Es geht erstaunlich flüssig voran, ja sogar noch vor der Startlinie habe ich genug Platz um Tempo aufzunehmen und genug Platz rechts und links. Keine 10 Meter ist das Rennen alt und schon der erste Stau… erinnert mich an die Anreise ;-). Ist auch nicht ganz clever wenn man den breiten Startbereich direkt in der ersten Kurve auf 2/3 verengt …naja, es geht langsam weiter und nach der Deutzer Brücke läuft alles wieder flüssig. So eine ungewollte Bremse tut mir ganz gut, da ich meist dazu neige es etwas zu schnell anzugehen. Die Wade zwickt anfänglich noch etwas, aber nach 2 Km verschwindet dies und kommt zum Glück nicht wieder.
Ich komme gut in Tritt und sauge die Atmosphäre auf. Ein großer Pluspunkt ist es dieses mal meine Frau an der Strecke zu wissen. Km 1, 9, 20, 27,37 und Ziel sind ausgemacht und für mich auch ganz wichtig als zusätzlicher Motivator wenn es auf die „Nordschleife“ Richtung Nippes und Riehl geht. Sie bezeichnet das gerne als „Fanmarathon“, was man wohl mit Fug und Recht behaupten kann.

Ca km 7,5 höre ich von weitem schon die Trommeln die einen beschwingen und Laune machen. Das muss so bei der Severinstorburg gewesen sein. In der Kurve steht eine kleine Trommler-Truppe. Ich winke und Strecke ihnen den Schumi-Daumen entgegen. Was ist das? Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Bordsteinkannte.

Dann der Sturz! Zum Glück nicht ich, aber der arme Mann der neben mir läuft und auch in Richtung Trommler schaut hat den Bordstein leider nicht gesehen. Er bekommt die Hände nicht mehr nach vorne und landet voll auf der Stirn! Ich bleibe stehen und helfe ihm auf. Er schaut ganz verwirrt und presst die Hand auf seine Stirn die aber schon voller Blut ist. Sofort sind zwei weitere Läufer da die ihm helfen und ich schaue mich um und rufe „Sani, ist hier irgendwo ein Sani?“ Nichts, nicht mal ein Streckenposten in Sicht. Wie kann das sein? An so einer wirklich bescheuerten Stelle. Die zwei stützen den Mann und ich entscheide mich weiter zu rennen um den nächsten Streckenposten zu finden. 200m weiter steht die freiwillige Feuerwehr denen ich zurufe, dass da hinten ein Mann gestürzt ist und eine Platzwunde an der Stirn hat. Sie sprinten sofort los. Weiter kann ich jetzt auch nicht mehr helfen und so setze ich meinen Lauf wieder fort. Der Marathon wird hier wohl für den Armen beendet sein. An dieser Stelle gute Besserung! Der nächste Lauf kommt bestimmt.

Diese Bordsteinkante geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Es zeigt mir wieder wie schnell so ein Lauf oder sogar mein ganzes Vorhaben vorbei sein kann. Ein falscher Tritt, einmal nicht aufgepasst, eine Bordsteinkante oder ein Loch im Asphalt und schon ist der Traum zerplatzt. Mich würde nicht wundern, wenn das nicht der einige Sturz an dieser Stelle gewesen ist. So was muss man doch als Veranstalter planen! Man kann doch nicht ein Highlight an so einer Stelle platzieren was ja gut gemeint sein mag, aber letztendlich zur Gefährdung der Läufer beiträgt.
Ab sofort achte ich auf jeden Schritt und tatsächlich war es die einzige Stelle mit so einer Bordsteinkannte quer zum Streckenverlauf ohne Sicherung oder Streckenposten.

Km 10 passiere ich nach knapp 55 Minuten, die Spendenmatte bei Km 19 wird mit einem Lächeln genommen und bis zur Halbmarathonmarke steigere ich mein Tempo sogar noch mal und erreiche diese nach 01:51.
Es macht Spaß! Besonders toll finde ich die Schulstaffeln welche überall auf der Strecke zu sehen sind. Da merkt man den Spirit, den Zusammenhalt! Egal ob dick, ob dünn, ob groß, ob klein, ob Junge oder Mädchen. Alle laufen für ihre Klasse. Und wenn sie mal nicht laufen sondern gehen, klopfe ich ihnen auf die Schulter und sage „Weiter so, ankommen ist wichtig!“. So was hätte mir früher bestimmt auch Spaß gemacht und vielleicht wäre ich dann schon früher zum Laufsport gekommen. Tolle Idee! Daumen hoch!

Jetzt geht es auf die „böse Nordschleife“! Hier hat mir schon Dietmar in Berlin Angst gemacht vor dem trostlosen Teil der Strecke wenn es eh an die eigenen Reserven geht. Dietmar ist mit Frau, Sohn und Tochter für den Staffelmarathon gemeldet. Ein Familienmarathon sozusagen. Einfach tolle Leute hier in Köln!

Natürlich ist jetzt da oben nicht so viel los wie in der Innenstadt, dafür ist die Stimmung dort „echt“. Wer hier am Rand steht, der feiert! Der feuert an! Der singt und reicht Getränke! Man spürt deutlich, dass auch sie Spaß an dem Event haben ohne zu laufen. Nur die zwei Jungs in den Relax-Massagesesseln am Streckenrand – das fand ich gemein :p.

Jetzt spüre ich dann doch die 42,195 Km von Berlin in den Knochen und ich sehne mir Km 37 herbei wo mir meine Frau noch mal einen letzten Energydrink reicht. Ein Blick auf die Uhr, kurzes hochrechnen und ich weiß: Wenn jetzt nichts schief geht wird das wieder eine Bomben Zeit. Die letzten Km sind wieder voller Zuschauer und Musik und es läuft sich einfach leichter unter dem Jubel und den Anfeuerungsrufen der Masse. Indianer, Osterhase, Peter Pan, König Roland und natürlich der Marienkäfer Mel sind nur einige der Jecken welche mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert haben.

Köln ich komme wieder! Das steht fest.

Die Ziellinie überquere ich nach 03:48:37. Nur knapp 6 Minuten langsamer als die Woche zuvor in Berlin, aber immer noch 10 Minuten schneller als meine bisherige Bestzeit vor Beginn der Challenge.
Mission 2/5 completed !

Jetzt heißt es wieder einmal gut regenerieren und dann versuchen die Form aufrecht zu erhalten.
Ob ich wirklich das Triple wage mit Frankfurt – New York – Athen innerhalb von nur 2 Wochen wird sich zeigen. Das wird wahrscheinlich eine spontane Entscheidung werden, ob ich in Frankfurt starte, um die zwei anderen Teilnahmen nicht zu gefährden.
Ich werde berichten!

Keep on running!  😉
Euer Marathon-Manu

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