Zusammenfassung: Welche Erkenntnisse bleiben? Jeder nimmt sicherlich unterschiedliche Dinge aus dem Wochenende mit. Für mich bleibt die Erkenntnis, dass die Haut nach 6mal Duschen am Tag trotzdem noch am Körper bleibt, dass ich total berechtigterweise vor dem Piksen mit Nadeln Angst habe und dass es sich toll anfühlt, ein Marathon Novize zu sein. Unsere Truppe wird Berlin rocken!

Mit einigen Tagen Abstand muss ich unbedingt nochmals auf das Marathon Novizen Camp zurückblicken, da es doch definitiv DER Meilenstein meiner bisherigen Läufer-“Karriere“ ist.

Erstmal einen „Kurz-Urlaub“ bittePhase 1 - Urlaub
Als schlauer „Routenplaner“ und wohlwissend, dass ich ab dem 09.05. in Regensburg sein muss sowie nach einer langen Durststrecke, was die Erholung in Form von Urlaub angeht, habe ich mir einfach mal 4 Tage in einem Wellness Resort in Nord-Italien gegönnt. Der Vollständigkeit halber sei zusammenfassend gesagt, dass es dort äußerst erholsam gewesen ist und „Laufen am See“ mindestens eine Liga über „Laufen neben der Kuhwiese“ schwebt. Auf dem Rückweg ging es dann direkt nach Regensburg, mit einem Tag Vorsprung vor den anderen Marathon Novizen.

…und dann geht’s zum „Novizen Camp, Regensburg“ – 10.05. – 12.05.
Der Tag Vorsprung ermöglichte es mir, die Biergarten Saison bereits am Donnerstag zu eröffnen und mich zu akklimatisieren. Der offizielle Start war dann am Freitag um 16h, wobei man einige nervöse und noch unsichere Gesichter auch schon vorher auf dem Gang getroffen hat und sich wohlwollend zunickte. Die Unterkunft ist nämlich ein Sporthotel gewesen, welches aufgrund der überschaubaren Anzahl an Betten jede herumschwirrende Person mit Zimmerschlüssel zu einem Novizen-Kollegen machte.

Schüchterne Vorstellungsrunde
Wie es sich für Erwachsene gehört, sammelten sich die Novizen PÜNKTLICH um 16h in einem großen Sitzkreis und folgten zunächst der Divise „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Und ich als altes Nordlicht darf mir immer anhören, dass wir verschlossen sind. Ich darf an dieser Stelle lästern, weil es a) mich selbst mit eingeschlossen hat und b) in den Folgestunden und –tagen in’s absolute Gegenteil umgeschwungen ist! Nun aber zu den Fakten und Abläufen vor Ort: Unsere Trainer Susi und Robert haben uns in der ersten Session erklärt, warum wir da sind und was uns erwartet. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es direkt los und ab auf die Piste. Eine lockere Stunde Laufeinheit ließ uns direkt die frische Luft genießen und uns gegenseitig ein wenig besser kennenlernen in Form kleiner Rudelbildungen basierend auf der gelaufenen Geschwindigkeit. Nach einigen weiteren Informationen sowie einem gemeinsamen Abendessen hieß es dann „schlafen gehen“ oder aber auch „Getränkeautomaten plündern“ – der nächste Tag versprach ein Riesenprogramm!

„Oh mein Gott ist das früh“Der große Tag
Als absoluter Nachtmensch erfreute ich mich des klingelnden Weckers um 7h. Ein Tag, der so anfängt… Aber naja. So schleppte ich mich dann zum Frühstück und blickte in viele aufgeweckte, fröhliche und leicht nervöse Gesichter. Das gute ist, am Morgen kann mich nichts aufregen und schon gar nicht aus der Reserve locken. Auch nicht die Tatsache, dass ich als nahezu einziger sitzen geblieben bin, als man sich für die weitere Tagesplanung namentlich in die zur Verfügung stehenden Zeitblöcke für die Laufdiagnostik eintragen musste. Die jahrelange Erfahrung am Flughafen, dass der Flieger schon nicht ohne mich fliegt und „sich früh anstellen“ nur dazu führt, dass man ebenso lange stehen muss, bis man an seinem Platz ist, bzw. im schlechtesten Fall immer wieder aufstehen muss, weil Leute wie ich ganz am Ende kommen und sagen „Tschuldigung, könnte ich bitte an meinen Fensterplatz“ – also diese Erfahrungen inklusive des Vertrauens in Susi und Robert, dass für jeden ein Platz da ist, ließ mich meinen Cappuccino zunächst in Ruhe austrinken und dann erst aufstehen. Und siehe da, der beste Slot zur Mittagszeit war frei, perfekt und wie für mich gemacht! Eingetragen, fertig.

RumpfstabiLauftraining
Mein erster Programmpunkt hieß somit Rumpfstabilisation- und Laufkrafttraining mit Susi und Robert. Uns wurde neben der Theorie, warum diese Übungen für jeden Läufer wichtig sind, ausreichend Zeit eingeräumt, diese auch mehrfach in der Praxis zu wiederholen, bis der Coach zufrieden war. Eine schweißtreibende Stunde ging, sagen wir mal, recht langsam vorüber. Aber da die Wichtigkeit der unterschiedlichen Übungen jedem klar gewesen ist, passten wir auch alle gut auf, um sie fortan wöchentlich mit ca. 20-30min in unser Training zu integrieren. Dem Rücken, den Beinen, Bauch und Po, eigentlich jedem Muskel ging es danach gut und so soll es schließlich auch sein: Ein gut trainierter Rumpf sichert Dir das gute Durchkommen beim Marathon – und mir als Bürojunkie tut es gleich doppelt gut.

Nach einer kurzen Pause und Dusche ging es am Vormittag direkt weiter mit dem Lauftechniktraining. Dazu entführte uns Susi wieder nach draussen und zeigte uns unterschiedlichste Übungen und Bewegungsabläufe, um auch die letzten zwei, zuvor noch ausgelassenen Muskeln zu fordern und fördern. Am interessantesten finde ich ja immer Gleichgewichtsübungen. Und so bildete eine derartige Einheit auch den Abschluss der Einheit: Man stelle sich auf ein Bein, ziehe das Knie mit den Händen an den Oberkörper, fixiere einen Punkt und schließe die Augen für 10 Sekunden. Viel Spaß beim Nachmachen, seither kenn mein gesamter Freundeskreis diese Übung und ich habe immer wieder Spaß dabei!

„Als Mann muss man jetzt tapfer sein“Leistungsdiagnostik
Dann kam die Session, auf die ich schon sehnsüchtig gewartet habe: die Leistungsdiagnostik. Ich glaube unter den Teilnehmern variierte die Anspannung vor dieser Einheit von: „Hab ich schon einige Male gemacht“ über „Bin mal gespannt“ bis hin zu „ich laß mir meine Nervosität nicht anmerken“. Ich selbst war eher die Kategorie „Waaas? Da wird gepikst und mindestens ein ganzer Bluttropfen abgenommen???“. Aber kommen wir zur Sache: Uns standen zwei tolle Sportmediziner zur Verfügung, die zunächst einige grundlegende Fragen zur bisherigen Laufkarriere gestellt haben. Auf Basis der Antworten ergab sich dann u.a. die Startgeschwindigkeit, mit der der Test begann. In meinem Fall durfte ich bei ca. 9kmh anfangen. Das Prinzip war einfach: Geschwindigkeit wurde eingestellt, 5min Laufen, Piks (Aua, da es an der Fingerkuppe war) und Bluttropfen abgenommen und direkt nächste höhere Geschwindigkeit gestartet und weiter geht’s. Parallel wurden die Herzfrequenzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgeschrieben und somit dokumentiert. Zwei Sachen sind meinerseits hängen geblieben: Dass mein Mediziner anscheinend bei Dracula höchstpersönlich gelernt hat, da ich mir neben massivstem Geknete und Nachstechen Sprüche wie „Ihr Hanseaten seid aber auch immer so geizig“ anhören durfte. Und zweitens geht mein besonderer Dank an Susi, auf deren speziellen Einzelwunsch ich am Ende noch eine weitere Stufe absolvieren durfte, die gefühlt im Segment „Puma im Sprinttempo auf Beutefang“ einzustufen gewesen ist;) Machen wir es kurz: Danach war ich fix und fertig und froh, dass 4. Mal an dem Tag (es war 13.30h) duschen zu dürfen – vorher gab es aber noch einen kleinen Mittagssnack.

Den Abend entspannt ausklingen lassen
Am späten Nachmittag wurde es dann entspannt: Auf dem Programm stand eine tolle Beratung zum Thema „Laufschuhe, -analyse, Bekleidung und Equipment“ bei Ralf, dem der Laden Laufkönig in Regensburg gehört. Da es hierzu noch einen ausführlichen gesonderten Nachbericht geben wird, sei an dieser Stelle zunächst nur ein riesen Dank an Ralf ausgesprochen, der trotz Messe an dem Wochenende noch extra für uns einige Stunden länger auf hatte und auf jede nur erdenkliche Frage eingegangen ist! Den krönenden Abschluss bildete ein super Essen bei einem Italiener sowie das obligatorische anschließende Plündern der Getränkeautomaten im Hotel!

…der Countdown läuft
NachRalf König Laufkönig Regensburg einer ruhigen Nacht und einem frühen Aufstehen um 6-Uhr-irgendwas (besonderen Dank an dieser Stelle nochmals an den Vogel mit der sagenhaften Stimme – hast Du bei einem Alarmanlagenbauer gelernt?) ging es am Abschlusstag neben der Thematik der „richtigen Wettkampfnahrung“ insbesondere um die Besprechung der individuellen Ergebnisse aus der Leistungsdiagnostik. Richtig spannend, weil dies nun das Fundament für die kommenden 18 Wochen bis zum Berlin Marathon bildet. Konkret bedeutet dies, dass auf Basis unserer Laktatwerte sowie Herzfrequenzen die optimalen Trainingsbereiche festgelegt werden konnten auf deren Grundlage wir künftig trainieren werden. Und so schloss das Marathon Novizen Camp dann auch mit der Aussicht, dass wir in den kommenden Tagen je monatsweise unsere Trainingspläne bekommen werden und uns als Hausaufgabe ein paar vorbereitende Events in den Distanzen 5km, 10km sowie einen Halbmarathon heraussuchen sollen.

AnSusi Eger und Robert Mücke dieser Stelle möchte ich mich riesig bei allen Novizen bedanken, die ich am Wochenende kennenlernen durfte. Tolle unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichsten Motivationen und sportlichen Lebensläufen. Es hat mir riesig Spaß gemacht und irgendwie finde ich es fast traurig, dass wir uns erst in Berlin wieder sehen! Und der zweite Dank (auch im Namen aller Teilnehmer) gilt selbstverständlich Susi und Robert, die ein äußerst vielseitiges und interessantes Wochenende auf die Beine gestellt haben – man fühlt sich bei Euch als Novize einfach super aufgehoben und „alle brennen“ nach dem Wochenende! Denn eines ist geblieben: Die Verbindung untereinander über eine Facebookgruppe, in der es seither heiß hergeht und sich rege ausgetauscht und angefeuert wird!

Den Abschluss bildet meine persönliche Erkenntnis: Phase 2 „Sascha läuft und läuft und läuft“ wird nun beendet und Phase 3 „Projekt erster Marathon“ startet JETZT!