Eigentlich hatte ich nach mehreren Monaten Laufpause, einer Anfang August nach 3 Wochen wegen Zeitmangel abgebrochenen Vorbereitung für den Berlin-Marathon und einem aktuellen Wochenkilomter-Umfang von nicht mehr als 20-30 km mit dem Thema Marathon für 2015 bereits innerlich abgeschlossen. Bis mich am 14. September die Mail von Wobenzym erreichte: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben einen Startplatz für den Dresden-Marathon am 18.10.2015“.

Kurz überlegt und dann nachgerecht: mir bleiben 4 Wochen Vorbereitung + 1 Woche Tapering. Das müsste zumindest für ein würdevolles Ankommen reichen. Noch schnell das „ok“ der Ehefrau zu einem verlängerten Marathonwochenende in Dresden eingeholt (O-Ton der Angetrauten: „Ich bin gern wieder dein Winkelement an der Strecke“) und die Anmeldung bestätigt. Rechtzeitig vor der Abreise lag auch das rote Wobenzym-Shirt in der passenden Größe im Postkasten.

Im Schnitt über 70 Kilometer wöchentlich mit 4 Läufen über 30 km in den 4 Vorbereitungswochen waren bei meinem mageren Anfangslevel dann schon ein hartes Vorbereitungsprogramm, gaben mir aber das Gefühl, einigermaßen gut vorbereitet nach Dresden zu fahren. Bis auf ein leichtes Zwicken der Achillessehne hat mein Körper das auch prima verkraftet.
Obwohl ich in Hessen wohne, bin ich in Dresden vor 3 Jahren meinen ersten Halbmarathon und vor 2 Jahren meinen ersten Marathon gelaufen. Die Stadt ist einfach wunderschön und hat eine magische Faszination auf uns.

Die Abholung der Startunterlagen im Kongresszentrum ging schnell und entspannt. Beim ausgiebigen Schlendern über die Marathonmesse füllte sich der Startbeutel schnell mit allerlei Läuferbedarf und die Nudeln vom Pastagutschein schmeckten zu Livemusik-Klängen a la Dire Straits besonders gut.
Logistisch ist der Dresden-Marathon prima organisiert, das Kongresszentrum bietet kurze Wege. Auch am Marathontag selbst kommt durch die späte Startzeit und den kurzen Weg von der Straßenbahn zum Start keinerlei Hektik auf. Einzig das Fehlen von Duschen im Kongresszentrum und der damit verbundene Weg ins (allerdings nahe gelegene) Heinz-Steyer-Stadion stört nach dem Zieleinlauf etwas.

Um 10:30 Uhr geht es für die etwa 1.500 Marathonläufer und etwa 3x so viele Halbmarathonis ab auf die Strecke und dort über den Postplatz, vorbei an der Semperoper gleich das 1. Mal auf der Augustusbrücke über die Elbe. Rechts grüßt der Goldene Reiter. Seit dem letzten Jahr gibt es eine neue Streckenführung, die nun auch den Albertplatz, die barocke Theresien- und Königsstraße und das Szene-Kneipenviertel um die Rothenburger Straße auf der Neustadtseite mit einschließt. Das Kopfsteinpflaster in der Königsstraße und Kamenzer Straße und den kleinen Anstieg am Alaunplatz nehme ich dafür gern in Kauf. Das Wetter ist perfekt, knapp über 10 Grad, trocken und windstill. Nur die Sonne hat keine Lust, den vielen goldenen Kuppeln von Dresden zusätzlichen Glanz zu verleihen.

Die besondere Akustik im Tunnel vor der Waldschlößchenbrücke nutzen fast alle Läufer für Jodel-, Sing- und sonstige lärmverursachende Einlagen, alles schallt mehrfach von den Wänden zurück und erzeugt eine tolle Stimmung. Schön, dass die Waldschlößchenbrücke, deren Bau die Einwohner Dresdens über Jahre in unversöhnliche Lager gespalten hatte, auch beim Marathon Altstadtseite und Neustadtseite miteinander verbindet. Nach der Runde durch den Großen Garten geht es vorbei an der gläsernen Manufaktur zurück zu Start und Ziel.

Am Italienischen Dörfchen laufen die Halbmarathonis ins Ziel und wir biegen ab auf die 2. Runde. Hier wartet die Familie für eine kurze Anfeuerungs- und Abklatsch- Motivationseinlage. Auf der Augustusbrücke liegt jetzt die HM-Zeitmatte. Es läuft gut, und die Zeit ist auch ok. Schon seit vielen km laufe ich mit Gerd aus Magdeburg zusammen, wir haben eine Menge Gesprächsthemen. Kurz hinter dem Goldenen Reiter biegen wir jetzt auf den Elberadweg ab. Die 2. Runde verläuft in diesem Teil anders als die 1. Runde, es geht vorbei am Narrenhäusel und am Königsufer, bis wir abermals auf der Waldschlößchenbrücke die Elbe überqueren. Die fehlenden km werden durch eine Extrarunde vorbei an den Villen der Goetheallee und am Käthe-Kollwitz-Ufer eingesammelt.

Es macht einfach Spaß, durch diese tolle Stadt und bei diesen Bedingungen einen Marathon zu laufen. Die vielen Bands an der Strecke sorgen für einen extra Motivationsschub, manch einer hat selbst nach 30 km noch Kraft für eine kleine Extra-Tanzeinlage. Nur die Dresdener selbst haben noch etwas Nachholebedarf, „ihren“ Marathon anzunehmen. Die Stimmung entlang der Strecke ist mit der in Hamburg oder Berlin nicht zu vergleichen. Kleine Stimmungsnester gibt es außer bei Start- und Ziel nur dort, wo die Bands und Sambatrommler für Unterhaltung sorgen.

Gerd habe ich bei km 31 bei einem Abstecher in ein blaues Toi Toi Häuschen verloren. Bei km 40 leiste ich mir eine Unaufmerksamkeit und bleibe mit der Fußspitze in den Straßenbahnschienen hängen. Klatsch, ich liege auf der Straße. Mein Körper hat den Sturz mit allem gebremst, was er zur Verfügung hatte: Knie, Ellenbogen, Hände, Schulter. Etwas benommen und blutend rappel ich mich auf. Kurzer Check: alles ok, nichts ernsthaft kaputt. Da ist auch schon ein Läufer neben mir, der mich wieder aufbaut und mich für die letzten 2 km nochmal anfeuert. Also, auf geht´s!

Kurz vor dem Zielstrich wartet wieder die Familie, Küsschen für die Ehefrau und bei 03:56 Std. geht es über den Zielstrich. Jetzt erst einmal ein kühles Alkoholfreies und ein Stück Melone. Was für ein schöner Lauf! Danke Dresden und Danke Wobenzym. Dafür hat sich die Vorbereitung allemal gelohnt! Wie gut, dass ich den Oberelbe-Marathon von Königsstein nach Dresden im April 2016 schon auf der Marathonmesse gebucht habe. Da gibt es dann auch wieder eine „richtige“ Vorbereitung.