Im Mai 2013 wurde Damian im Rahmenprogramm des Schliersee Lauf & Walk über seinen Umgang mit der Krankheit interviewt. Der folgende Text basiert auf diesem Gespräch.

Damian ist Wobenzym-Teammitglied und den Nutzern unseres Facebook-Kanals gut bekannt: Regelmäßig postet und teilt der 37-jährige Familienvater Bilder seines Trainings oder seiner sportlichen Erfolge. Er erreicht diese unter besonderen Bedingungen: 2003 mit Morbus Bechterew diagnostiziert musste er 2008 das Laufen neu erlernen. Trotzdem hat er einen 3200 Kilometer-Lauf durch Europa absolviert und läuft 10 Kilometer mit Kinderwagen in unter 40 Minuten.

 

Was ist Morbus Bechterew eigentlich?

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule. Sie ist sehr schmerzhaft, eine Art von Rheuma. Sie kann zur Verknöcherung der Gelenke und im Endstadium sogar zu vollständiger Versteifung führen. Es ist auch eine psychische Belastung, man leidet unter Depressionen.  Die Krankheit ist nicht heilbar, aber dank moderner Therapie kann man die Auswirkung möglichst gering zu halten.

Wie und wann hast du festgestellt, dass du betroffen bist?

Ich habe immer viel Sport gemacht und als bei mir die ersten Symptome auftauchten – es war nach dem Berlin Marathon 1995 – wurde auch zuerst eine Sportverletzung diagnostiziert. Aber die Schmerzen im Rücken ließen nicht nach sondern wurden immer schlimmer und strahlten in die Hüftgelenke und Oberschenkel aus, was das Gehen sowie körperliche Anstrengung immer schwieriger machte. Es dauerte jedoch fast acht Jahre bis ich die Diagnose Morbus Bechterew bekam.

Gibt es typische Symptome, die auf eine Erkrankung mit Morbus Bechterew hindeuten?

Ja, mehrere. Tief sitzende Rückenschmerzen seit mindestens drei Monaten, generell Einschränkung der körperlichen Funktionsfähigkeit. Dazu kommt ständige Müdigkeit. Trotzdem erwacht man oft in der zweiten Hälfte der Nacht aufgrund der Schmerzen. Diese wechseln zwischen Gesäßseiten und strahlen bis in die Kniekehle aus. Es kann im Zusammenhang mit der Krankheit zu Augenentzündungen kommen. Die Krankheit verläuft in Schüben.

Was bedeutet das für deinen Alltag?

Mein Leben ist ein Triathlon aus Familie, Job und Sport. Morbus  Bechterew bedeutet kein Sportverbot. Im Gegenteil: Man soll den Kreislauf stabilisieren, das Immunsystem stärken, Muskeln aufbauen. Laufen ist dafür super geeignet! Allerdings nicht mehr als 90 Minuten pro Tag und nicht mehr als 90 Kilometer pro Woche. Man darf das Immunsystem nicht zu sehr belasten. Oft bin ich allerdings sehr Müde und muss mich dann überwinden. Es kommt nicht von alleine.

Wieso läufst du trotzdem?

Jeden Tag stellt sich mir die gleiche Frage: Wer ist stärker? Ich oder Morbus Bechterew? Es gibt viele Wege, wie man als mündiger Patient seine Leben aktiv weiter leben und gestalten könnte. Ich lebe meinen Traum! Ich habe das Glück, meinen Sport durch die moderne Medizin und die Unterstützung vieler Leute auf diesem Niveau ausüben zu können! Ich will mich nicht der Depression überlassen. Es geht um Ablenkung. Man muss raus!

Vielleicht das Laufen ist nicht der perfekte Sport bei Morbus Bechterew, aber für mich ist es Lebensqualität. Man darf natürlich nicht übertreiben. Ich darf nicht vergessen, dass ich chronisch krank bin und noch meine Familie habe.

Betäuben die Glückshormone beim Laufen den Schmerz?

Morbus Bechterew bedeutet jeden Tag zu kämpfen! Jeden Tag Training. Und Laufen macht das einfacher, ich bewege mich. Es ist ein Ritual. Eine Möglichkeit wegzulaufen, wenn die Krankheit mich paralysiert. Wer nicht kämpft hat schon verloren. Und ja: Bei einem Wettkampf vergisst man auch die Schmerzen, kriegt den Kopf frei.

Aber auch Rückschläge gehören dazu. 2012 musste ich den Kilimajaro-Lauf abbrechen. Ich weiß, in Bergsport gehört ein Abbruch der Tour genauso dazu wie ein Gipfelerfolg. Und mich interessiert nur ein Lauf in unter 10 Stunden nach oben. Naja, ich werde es 2013 noch einmal probieren. Aber ich mache mir keinen Druck damit.

Sicher? Brauchst du nicht immer eine Steigerung, mehr Adrenalin?

Nein! Überhaupt nicht. Ich mache Wettkämpfe um Freunde zu treffen. Ich könnte sonst auch das ganze Jahr nur am Tegernsee bleiben. Ich kann jeden Tag langsam auf den Wallberg laufen und das reicht mir. Zur Abwechslung kann ich auf Riederstein. Mit dem Wallberg Berglauf in Mai und dem Halbmarathon in September habe auch hier die nötigen Wettkämpfe. Wenn ich einen Marathon laufen will, kann ich einfach zweimal um den See laufen. Ich muss vernünftig bleiben und meinen Körper schonen. Ich glaube, so 45 Minuten auf den Wallberg und in anderthalb Stunden um den See ist für mich ok.  Man muss immer in Balance bleiben!

Was willst Du noch erreichen?

Ich mache mir keinen Druck, das Leben mit Morbus Bechterew geht nicht nach Masterplan.  Im Jahr 2000 hat man mir gesagt ich werde nicht mehr lange laufen. Jetzt ist es 2013 und ich laufe weiter. Ich bin chronisch krank und ich muss es akzeptieren – wenn es geht, gehe ich laufen, wenn nicht, fahre ich Fahrrad oder gehe einfach in die Sauna.

Wenn ich aber nach einem Wettkampf zu müde bin, ist mein Sohn sauer – das Leben geht ja nach dem Wettkampf weiter. Ich würde gerne einmal mit meinem Sohn auf die Marathonstrecke gehen –  und einfach verlieren.