Unsere Team-Mitglieder Cornelia Hilka, Ruth und Peter Urban waren beim Paris Marathon dabei. Im folgenden hat Cornelia ihre Erlebnisse zusammengefasst und stellt ein Statement zu den Anschlägen beim Boston Marathon vom letzten Wochenende voran. Ruths und Peters Nachberichte haben sie auf ihrer Team-Website http://www.engelundhelden.org zusammengestellt. 

 

Anlässlich der jüngsten Ereignisse beim Boston Marathon fällt es mir doch etwas schwer, meiner Begeisterung für meine Teilnahme als Charity-Läuferin beim diesjährigen PARIS MARATHON Ausdruck zu verleihen. Doch gerade jetzt sollten wir Läufer uns zusammenschließen und gemeinsam solche unfassbaren Ereignisse verarbeiten.

Ich werde dies mit einem Aufruf an alle Läufer in meiner näheren Umgebung mit der Aufforderung zu einem Gedächtnislauf für die Laufkollegen und Opfer des Boston Marathons am kommenden Wochenende tun. Im Sport werden Fairplay, Enthusiasmus, Zielstrebigkeit und Begeisterung für die eigenen Erfolge sehr groß geschrieben.

Welche Ziele verfolgen solche Menschen, die diese Sportveranstaltungen durch Gewalt zu gefährlichen Veranstaltungen mit zukünftig noch höheren Sicherheitsmaßnahmen für die begeisterten  Zuschauer und uns Läufer machen. Ich möchte hiermit mein größtes Bedauern für die Opfer und ihre Angehörigen des BOSTON MARATHONS ausdrücken.

Wir Läufer sollten unsere Freude und Ziele für den Laufsport nicht durch solche Ereignisse reduzieren. Schade nur, dass sinnlose Gewalt heutzutage vor nichts mehr halt macht.

So möchte ich allem zum Trotz meinen Bericht über den PARIS MARATHON gerne an Euch weitergeben:

Am Ankunftstag habe ich gleich meine Startunterlagen auf der Läufermesse abgeholt. Als Charity Läuferin von „Enfants de Mekong“ bekam ich dann noch zusätzlich ein Laufshirt sowie einen interessanten – fast etwas emotional anmutenden – Bildband über diese Organisation, die sich besonders für Kinder in Asien einsetzt. Ein wenig stolz habe ich mich dann doch vor den großen Plakaten des PARIS MARATHONs mit der Startnummer ablichten lassen, war es doch immer schon mein Traum, in dieser wunderschönen Stadt einen Marathon zu laufen. Danach ging es zur Pasta Party, oder besser gesagt „Uncle-Bens-Reis-Party“, um den Kohlehydratspeicher vollends aufzufüllen.

Wettkampftag:

Um 05.00 Uhr stehe ich bereits auf, schaue aus dem Fenster und denke: Ideales Marathonwetter: 5 Grad / Sonne – leider mit etwas Wind!  Ich freue mich auf diesen Tag, auf den ich so lange trainiert habe.Zum Frühstück gibt es 2 Toastscheiben mit Honig, 1 Espresso, 1 Banane. Gut gestärkt mache ich mich auf den Weg zur Metro. Von allen Seiten stürmen bereits die Läufer die U-Bahnschächte. Ich setze meine Kopfhörer auf, kurzfristige sportl. Ratschläge würden mich eh nur verwirren, die Aufregung stellt sich nach und nach ein.

Am Triumphbogen steige ich aus, hier geht es zur Kleiderabgabe. Alles ist sehr gut organisiert. Nur das Warten an den Toilettenhäuschen scheint ewig, irgendwie waren die Berliner Läufer da schneller!!Dann reihe ich mich in meinen Startblock ein. Mein Mann verabschiedet sich bereits von mir, möchte er doch noch eine gute Position zum Fotografieren bekommen. Noch ein paar leichte Dehnübungen, etwas Auflockerung und dann kann es meiner Meinung nach losgehen.

Doch es dauert noch eine halbe Stunde, bis ich endlich loslegen kann. Es geht die Champs-Élysées entlang, eine beeindruckende breite Prachtstraße mit vielen Zuschauern am Streckenrand, die mit Landesfahnen ihren Lauffreunden zuwinken. Ein tolles Bild für uns Läufer geradezu überwältigend. Weiter am Place de la Concorde vorbei in die Rue de Rivoli, eine der schönsten Straßen in Paris, vorbei am Louvre in Richtung eines großen Parks, den wir durchqueren. Es sind sehr viele Zuschauer an der Strecke, besonders gerne habe ich die begeisterten Kinderhände abgeklatscht. Sehr viele kleine Musikgruppen heizen uns zusätzlich ein bevor es zum Wendepunkt in Richtung Seine geht.

Ab und an ist die Laufstrecke etwas eng und man muss schauen, dass man hier seinen Laufrhythmus nicht verliert. An den Versorgungsständen das übliche Gedränge. Ich wähle meist den letzten Stand, da ist es nicht mehr so voll. Stetig hänge ich mich voller Euphorie an den Pacemaker für 4:15.  Es klappt sehr gut und trotz häufigem Kopfsteinpflaster halte ich ein konstantes Tempo. Die aufgeschnittenen Orangen an den Versorgungsständen sind mir sehr willkommen  und so langsam kommt auch ein Kohlehydratgel von mir zum Einsatz.

Den Blick auf die Seine genieße ich sehr, die prachtvollen Altbauten an der Strecke machen diesen Marathon zu einem ganz besonderen Erlebnis. Eine Sightseeing Tour im Wettkampfschritt – einfach gigantisch. Einzig und allein das Durchqueren der Tunnels an der Seine ist nicht unbedingt mein Ding, aber jeder Marathon hat nun mal seine eigenen Herausforderungen. Mein Mann taucht immer wieder an der Strecke – wie aus dem Nichts mit seiner Fotokamera auf – und drückt „rücksichtslos“ auf den „Sportauslöser“. Die Sonne kommt immer mehr heraus, die Zuschauermengen werden dichter – das Ziel scheint in greifbarer Nähe: Noch eine Kurve, dann sehe ich das leuchtend grüne Zieltor. Auf meinem i-pod lasse ich „Cascada“ mit „Glorious“ erklingen, reiße die Arme hoch, beklatsche die ausharrenden Zuschauer und laufe nach 4:27 über die Ziellinie.

Für mich ein sehr gutes Ergebnis bei dieser doch anspruchsvollen Laufstrecke. Nach ausgiebigen Dehnübungen hole ich mir meine Medaille und das Finisher-Shirt ab, lösche den Durst mit eiskaltem Wasser und freue mich riesig, den PARIS MARATHON erlebt zu haben. In der Public Area empfängt mich mein Mann und macht die letzten Fotos. Glücklich und auch etwas stolz steige ich in die Metro und fahre in unser Appartement.

 

Am späten Nachmittag bin ich tatsächlich noch in der Lage, die Stufen zu Sacré-Cœur hinaufzulaufen und dort mit einem Stück Käse, einem leckeren Baguette und trockenem Rotwein in der Abendstimmung diesen wunderbaren Tag ausklingen zu lassen.

Mein besonderer Dank gilt auch WOBENZYM und der Mediaagentur nitschmahler&friends, die meine Charity-Teilnahme so großzügig unterstützt haben. Auch möchte ich an dieser Stelle meinem Orthopäden danken, der durch seine großartige Osteopathietechnik dafür gesorgt hat, dass ich diesen wunderbaren Marathon schmerzfrei absolvieren konnte.

Schön war es auch, dass ich mit Peter Urban – ebenfalls aus dem WOBENZYM-Team – zumindest per Mail in Kontakt gekommen bin. Er und sein Team waren auch mit in Paris dabei. Wir werden sicherlich auch zukünftig in Kontakt bleiben.

Sicherlich laufe ich mal wieder in Paris, dieser wunderschönen Stadt. Nach meiner momentanen Regenerationsphase geht es nahtlos in die Vorbereitung zum NEW YORK Marathon über. Was für ein spannendes Läuferjahr 2013.