Trotz multipler Sklerose knapp 1.800 Kilometer auf dem Rad: Die Besi&Friends-Tour 2014 führte in zwei Wochen quer durch Europa von Frankfurt bis Barcelona. Das Spendenprojekt zugunsten der Nathalie Todenhöfer Stiftung war für EnzymKraft-Teammitglied Andreas Beseler in vielfacher Hinsicht eine lohnende Herausforderung.

Nach knapp 1.800 Kilometern quer durch Europa würden die meisten erst mal Pause machen. Wie sieht das bei dir aus?

Nein, ich muss aufgrund meiner Erkrankung jeden Tag Radfahren, um in Bewegung zu bleiben. Nach meiner Rückkehr war ich der Guide in der Führungsgruppe der quaeldich.de-Deutschland-Rundfahrt, und jetzt am Wochende bin ich wieder in der Staffel bei der Triathlon-EM in Wiesbaden dabei.

Also kein Stimmungsloch wie nach der Kanada-Tour letztes Jahr?

Auch da war es kein Stimmungsloch – es war einfach so unwirklich, nicht greifbar, was ich da tatsächlich geschafft hatte. Ich bin eben einfach immer nur Radgefahren. Diesmal, mit der großen Truppe und den vielen Helfern, war jeden Tag klar, was da geleistet worden war – von jedem.

Was ist dir am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben?

Der Team-Spirit, das Gefühl, dass wir gemeinsam Berge versetzen und einfach alles schaffen können – und auch geschafft haben. Diese ganzen Einzelerfolge beispielsweise: Unter den Mitfahrern war noch ein weiterer MS-Patient, bei dem sah es am zweiten, dritten Tag so aus, als müsse er aufgeben. Auch der mitfahrende Physiotherapeut hat das so gesehen. Und dann ist der doch durchgekommen und hat am Ende mit uns in Barcelona im Meer gebadet. Genau wie ein anderes Teammitglied, das jeden Tag Dialyse machen musste, auch der hat es geschafft – einfach, was alle geschafft haben, das war das beeindruckende.

Diese Tour mit so vielen Teilnehmern durchzuführen, bedeutet einiges an organisatorischem Aufwand. Was war anstrengender: Die Vorbereitung der Tour, oder die Fahrt selber?

Die Vorbereitung, definitiv. Und auch die Leitung vor Ort – da muss man manchmal Entscheidungen treffen, die einem nicht gefallen, muss vielleicht Leute anscheißen und der böse Papa sein. Wir haben teilweise sehr anspruchsvolle Streckenabschnitte gehabt, beispielsweise die Pyrenäen, das war alles kein Kinderspiel.
Aber dafür hatte ich auch unheimlich großartige Helfer, die ein unglaubliches Engagement an den Tag gelegt haben. Die haben ihren Urlaub geopfert, der Physiotherapeut hat seine Praxis für die Zeit zugemacht und das alles ohne dass Sie dafür mehr bekommen hätten als Unterkunft und Verpflegung.

Klingt nach einem tollen Team!

Ja klar, absolut, der Teamgeist war unglaublich und ist es noch. Da sind tolle Kontakte untereinander entstanden. Ich kriege das über unsere interne Facebook-Gruppe mit, da verabreden sich ständig Leute miteinander zum Fahren.

Die Tour hat ordentlich Wellen geschlagen: Zwei kürzere Fernsehberichte sind bereits gelaufen, ein längerer folgt noch…

Ja, der kommt voraussichtlich im Oktober bei der ARD. Aber auch davon abgesehen habe ich viel Feedback bekommen, per Mail, auf Facebook, per Anruf – viele Leute haben sich gemeldet und gesagt, wir hätten Ihnen Mut gemacht und dass sie sich gewünscht hätten, sie wären dabei gewesen. Ein anonymer Schweizer Großspender war so begeistert, dass er über 17.000 Euro gespendet hat, die nun zusammen mit der restlichen Spendensumme der Nathalie-Todenhöfer-Stiftung zugutekommen.

Wie viel ist denn insgesamt zusammengekommen?

Das wird noch nicht verraten – erst am 04. Oktober zu unserem Abschlussfest!

Wird es denn nächstes Jahr wieder eine Besi&Friends Tour geben?

Eigentlich wollte ich nichts mehr machen. Aber alle drängen mich nun dazu und viele Sponsoren haben bereits wieder ihre Unterstützung signalisiert, also, wenn alles klappt, geht es 2016 „St. Tropez am Baggersee nach St. Tropez am Mittelmeer“.