Das Grauen hat viele Namen – Tractussyndrom, Tractusscheuern, Tractus iliotibialis Syndrom, iliotibiales Bandsyndrom oder kurz ITBS. Leider hat es nicht nur viele Bezeichnungen, sondern ist zudem eine weitverbreitete Plage im Sport. Basketballer, Handballer und Wanderer, aber vor allem Ausdauersportler sind betroffen. Annähernd jeder vierte Läufer litt bzw. leidet unter Schmerzen an der Außenseite des Knies, sodass der wohl bekannteste und einfachste Name für diese Beschwerden nicht von ungefähr kommt: das Läuferknie.

Kein anderes Gelenk des menschlichen Körpers besitzt einen so komplexen Aufbau und eine Größe wie das Kniegelenk. Alle seine Elemente, von Knochen über Knorpel, Sehnen, Bänder, Muskulatur, Kapseln bis hin zu Menisken müssen möglichst exakt aufeinander abgestimmt sein, damit es seine Funktion erfüllt. Als gelenkige Verbindung  zwischen Ober- und Unterschenkel ist es einerseits für die Beugung und Streckung des Knies verantwortlich, andererseits überträgt es das Gewicht des Rumpfes auf die unteren Extremitäten. Kräfte von bis zu 3000 Newton pro Schritt können auf das Gelenk wirken. Beim Läuferknie liegt das Schmerzzentrum meist an der Außenseite des Oberschenkels, wo der Tractus iliotibialis verläuft. Er ist mit seinen kräftigen längsverlaufenden Kollagenfasern in eine sehr große Bindegewebshülle (Fascia lata) aus straffem, geflechtartigem Bindegewebe eingewoben und umhüllt die gesamte Oberschenkelmuskulatur.

Genauer betrachtet entsteht der Tractus iliotibialis  in der seitlichen Gesäß-/Hüftregion aus der Endsehne des Oberschenkelbindenspanners (Musculus tensor fasciae latae) und der Gesäßfaszie (Fascia glutealis), die vom Beckenkamm kommt. Er gleitet entlang der Außenseite des vierköpfigen Oberschenkelmuskels (Musculus quadriceps femoris) und verbindet sich unterhalb des seitlichen Schienbeinkopfes breitflächig mit der Unterschenkelfaszie. Die wichtigste Aufgabe des Tractus iliotibialis ist es, aus dem Oberschenkelknochen (Femur) während der Standbeinphase desselben Beines die Biegespannung durch Gegenbiegung zu nehmen. Hierzu wird bei jedem Schritt der Tractus iliotibialis durch den Oberschenkelbindenspanner angespannt.

Der folgende Artikel informiert über Symptome, Ursache, Physiologie, Diagnostik, Therapie und Prävention des Läuferknies.

1) Symptome
Charakteristische Beschwerdesymptome des Läuferknies äußern sich als brennende oder stechende Schmerzen an der Außenseite des betroffenen Kniegelenks, gelegentlich auch unterhalb der Kniescheibe. In der Regel treten diese zum ersten Mal direkt nach dem Laufen oder zügigem Gehen, insbesondere bergab, auf und verlieren in Ruhephasen zunächst noch deutlich an Intensität. Später entwickelt sich der Schmerz bereits während der Laufbelastung bzw. tritt ab einer bestimmten Distanz in Erscheinung und steigt dann kontinuierlich an, sodass eine Pause eingelegt werden muss. Andere Sportarten wie beispielsweise Fußball oder Tennis, die das Kniegelenk generell intensiver beanspruchen, können dagegen meist beschwerdefrei durchgeführt werden. Bleiben diese Beschwerden unbehandelt, verstärken sich die Symptome und können sich ebenfalls beim Bergaufgehen, Laufen auf ebenen Flächen, bei bloßer Berührung der Kniescheibe oder beim Sitzen mit angewinkelten Beinen einstellen. Obwohl die Probleme auf eine lokale Entzündung im Ansatzgebiet der Sehnenplatte des Tractus iliotibialis zurückzuführen sind, zeigt sich diese nur selten in einer Schwellung, Rötung oder Überwärmung des Gewebes. Gelegentlich weisen auch akustische Signale auf ein Tractussyndrom hin, da das Knie bei Bewegung wahrnehmbar knirscht.